Dienstag, 13. Februar 2007

Bombenanschlag

Der heutige Tag begann blutig. Nördlich von Beirut wurde heute morgen zwei Busse, die hauptsächlich Berufspendler transportierten, kurz hintereinander in die Luft gesprengt. In den hiesigen Medien kursieren Opferzahlen, die von 3 - 12 reichen. Eine Verbindung mit dem morgigen Nationalfeiertag zum Gedenken an die Ermordung Hariris vor zwei Jahren scheint mehr als wahrscheinlich. Offensichtlich möchte jemand verhindern, dass allzuviele regierungstreue Hariri-Anhänger aus allen Teilen des Landes an der morgigen Gedenkveranstaltung in Downtown Beirut teilnehmen. Ich möchte aber betonen, das der Informationsfluss sehr spärlich ist, weswegen die genauen Hintergründe dieser barbarischen, an Menschenverachtung nicht zu überbietenden Tat noch unklar sind. Mir persönlich geht es, von einer gewissen inneren Erschütterung und Betroffenheit abgesehen, gut. Morgen wird das Goethe-Institut geschlossen sein und es tut hier jeder gut daran, nicht das Haus zu verlassen. Ich weiß, dass im Laufe dieses Tages die Bitte, unverzüglich nach Deutschland zurückzukehren, wieder stärker und heftiger an mich herangetragen wird. Ich kann nur sagen, dass ich diese Option momentan nicht in Erwägung ziehe. Ich werde die nächsten beiden Tage abwarten, um eine Entscheidung zu fällen. Bitte habt Verständnis (oder wenigstens Respekt) vor meiner Entscheidung.

Freitag, 9. Februar 2007

Kleiner Nachtrag

Da ich meine Chronistenpflicht sehr ernst nehme, möchte ich euch das natürlich nicht vorenthalten. Das beste Pressefoto 2006 stammt aus -tataaaa und tusch- BEIRUT. Das Bild wurde kurz nach dem libanesisch-israelischen Krieg vom US-Fotograf Spencer Platt aufgenommen und wurde unter sage und schreibe 78.000 Fotos im Wettbewerb ausgewählt. Laut Jury zeige das Foto "die Komplexität und Gegensätzlichkeit des wirklichen Lebens"(Zitat tagesschau.de). Man sieht eine Gruppe modischer junger Menschen in einem schicken Cabrio durch einen völlig zerbombten Stadtteil fahren.
copyright Spencer Platt /Getty Images

Donnerstag, 8. Februar 2007

Ein Tag wie jeder andere

Das politische Tauziehen um die Macht geht in die nächste Runde. Was mich verhalten optimistisch stimmt, ist die Tatsache, dass der Libanon in dieser schwierigen Situation nicht sich selbst überlassen bleibt. Ich glaube nicht, dass das Land die gegenwärtige Krise ohne Mediation von außen bewältigen kann. Dieses schwierige Amt eines unabhängigen Vermittlers zwischen den verfeindeten Lagern hat Amr Moussa, der Generalsekretär der Arabischen Liga seit Mitte Dezember inne. Derzeit befindet sich ein Abgesandter der Arabischen Liga in Beirut, um die Ankunft Moussas vorzubereiten und die Möglichkeiten für Gespräche auszuloten. Natürlich werden hier auch die Bemühungen der europäischen Statten für eine friedliche Lösung bemerkt und gewürdigt. Vor allem Frankreich hat für die Organisation der Paris III Geber-Konferenz, welche dem Libanon dringend benötigte Finanzhilfen in der Höhe von 7,6 Milliarden $ beschert hat, großen Zuspruch erhalten. Aber den größten und nachhaltigsten Einfluss hat mit Sicherheit die Arabische Liga, da sie den institutionellen Rahmen bereitstellt, um auch Syrien (zumindest über die Hintertür) in die Verhandlungen einzubinden. Und ohne einem klaren Bekenntnis Syriens, sich aus den inneren Angelegenheiten Libanons rauszuhalten, wird das Land immer Spielball fremder Mächte bleiben und nicht zur Ruhe kommen. Immerhin gibt es Verlautbarungen von allen beteiligen Akteuren, einen neuen Ausbruch der Gewalt (geschweige denn einen neuen Bürgerkrieg) verhindern zu wollen. In der Tat ist es seit den Straßenschlachten vom 25.1., als in der Nähe der Arabischen Universität in Beirut 3 Menschen getötet und über 100 verletzt wurden, ruhig geblieben. Etwas kritisch sehe ich den kommenden Mittwoch. Dieser Tag ist allen Verliebten als Valentinstag unvergesslich, aber ich bin etwas skeptisch, dass es hier nur rote Rosen regnen wird. Genau an diesem Tag vor zwei Jahren fiel Rafik Hariri einem Bombenanschlag zu Opfer. Hinter dem Attentat vermuten viele Syrien als Drahtzieher, eine juristische Aufarbeitung scheiterte bis jetzt aber am Wiederstand des Staatspräsidenten Emile Lahoud und anderer "syriennaher" Akteure. Ergo: Die wahren Schuldigen konnten bis dato noch nicht ausgemacht werden. Jedenfalls findet am Mittwoch den 14.02. eine Gedenkfeier am Grab Hariris statt. Ungünstigerweise ist seine Grablege nur ca. 200 m von den Demonstranten der Hizbollah entfernt, die nach wie vor ihren munteren Sit-in am Martyrerplatz im Herzen Downtowns abhalten. Und diese Gemengelage könnte bei einer Verkettung wiedriger Umstände ein explosives Gemisch abgeben. Zwar wurde von beiden Lagern die Losung ausgegeben, einen kühlen Kopf zu bewahren, aber wenn die Emotionen überschwappen kann hier für nichts garantiert werden. Für mich gilt jedenfalls, an diesem Tag aufmerksamst die hiesigen Medien zu verfolgen und von Besuchen in der Gegend abzusehen. Wir hoffen alle, dass nichts passiert !
Von der großen Politik zurück zu den Niederungen des Tagesgeschäfts. Ich habe hier im Institut momentan ganz gut zu tun. Am kommendenMontag stellen wir der geneigten Öffentlichkeit ein gemeinsames Projekt der Goethe-Institute Nordafrika und Naher Osten von, zu dem auch das GI Beirut seinen Anteil beisteuert. Es handelt sich um eine deutsch-arabische Jugendwebseite names Li-Lak (= arabisch und heißt "für mich - für dich"), auf der sich junge Menschen über ihr Leben, ihre Wünsche, Träume, Zukunftsängste etc. austauschen können und einen kleinen, subjektiven Einblick in die Lebenswirklichkeit der "Anderen" bekommen sollen. (http://www.goethe.de/ins/eg/pro/lilak/index.htm ) Die Seite ist sowohl auf arabisch, als auch auf deutsch verfügbar und bietet ein recht buntes Programm, das auch Spiele und elektronische Grußkarten umfasst.
Dann kommt nächste Woche auch eine deutsche Journalistin namens Jasna Zajcek in Beirut an, die sich hier im Rahmen des von der Heinrich-Böll- Stiftung und dem Goethe-Institut getragenen Austauschprojekts "Living Globality" einen Monat lang aufhalten wird. Meine Aufgabe wird sein, die Dame zu betreuen und bei der Organisation einer Podiumsdiskussion am 1.3. mitzuwirken, an der Frau Zajcek, der deutsche Schriftsteller Norman Ohler und libanesische Medienvertreter teilnehmen werden. Die Leitfrage hab ich mir schon einfallen lassen: "Welchen Beitrag kann Kunst zum interkuturellen Dialog leisten?".
Und die dritte Veranstaltung im Bunde ist eine Photoausstellung des deutschen Photographen Hans Joachim Kasselmann ( für Kunstfreaks: http://www.hans-joachim-kasselmann.de/) , die am 21.02. feierlich eröffnet wird. Das sind die Projekte, die in nächster Zeit anstehen. Daneben finde ich aber nach Feierabend auch Zeit, in die hiesige Kulturszene reinzuschnuppern. Am Dienstag war ich bei einer Vernissage-Eröffnung und gestern gab's was ganz Feines. Eine Ausstellung an der AUB (American University of Beirut) über das Leben und Werk der österreichischen Friedensaktivistin Bertha von Suttner (1843 - 1914) (http://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_von_Suttner), die als erste Frau einen Nobelpreis erhalten hat. Die Ausstellung war recht überschaubar und bestand aus vielleicht 13 Stellwänden mit ein paar Bildchen und etwas Text. Lustigerweise war der österreichische Botschafter seine Exzellenz (ist wirklich die offizielle Anrede eines Botschafters !) Dr. Georg Mautner-Markhof auch da und hat seine Grußworte an das versammelte Plenum von vielleicht 50 Leuten gerichtet. Ich hab es mir natürlich nicht nehmen lassen, mit dem Mann ein kleines Pläuschchen zu halten und die gut nachbarschaftlichen Beziehungen von Bayern und Österreich hervorzuheben. Am Ende kam dann noch dieses nette Bildchen raus:

Die Rosette, die wir beide am Revers stecken haben, ist übrigens das Abzeichen einer Feministischen Frauenorganisation und soll signalisieren: Wir sagen JA zur Emanzipation. Zum Abschluss zeige ich euch noch ein paar Bildchen meiner neuen Bleibe

Mein Bett: Es geht doch nichts über solides Holz Mein Tisch + mein Stuhl

Mein SchrankFernbedienung meiner Klimaanlage: Die Zeichen sind vermutlich chinesisch. Obwohl unsere WG sehr kosmopolitisch ausgerichtet ist, habe ich leider keinen Mitbewohner aus dem Fernen Osten, der mir bei der Dechiffrierung behilflich sein könnte. Ich habe die Einstellungen von meinem Vorgänger übernommen und er hat mir geraten, NICHT an der Fernbedienung rumzuspielen, weil ansonsten irgendwann gar nichts mehr geht. Ich halte mich an diesen Rat.

Unser Wohnzimmer mit meinem palästinensischen Mitbewohner Malik und Propangasheizstrahler

Moderne Rauminstallation im ohnehin nicht funktionierenden Kamin Ein Klavier, ein Klavier ! Wir mögen zwar keine richtige Heizung im Wohnzimmer haben, aber wer nennt schon ein Piano sein eigen ? Dummerweise kann keiner spielen. Spätestens jetzt rächt es sich, dass ich als junger Knabe meine musikalische Früherziehung an diesem Instrument hingeschmissen habe. Glücklicherweise konnte ich mir von einer Kollegin eine ganz billige Akustikgitarre ausleihen und beglücke meine Mitbewohner hin und wieder mit dem ein oder anderen Liedchen. Nahaufnahme unserer Bibliothek. Die Bücher sind Hinterlassenschaften von Vormietern. Wo die Barbie herkommt weiß niemand, ihre Geschichte bleibt wohl immer in den Mantel des Schweigens gehüllt. Fest steht: Sie scheint viel durchgemacht zu haben.
Die Küche, heute mal recht aufgeräumt

Freitag, 2. Februar 2007

Das Wort zum Wochenende

Gestern bin ich endlich in meine neue WG gezogen, d.h. die Tage völliger Isoliertheit (naja, so schlimm war's dann auch nicht) sind gezählt. Meine Mitbewohner scheinen recht nett und unkompliziert zu sein. Ich wohne im ersten Stock zusammen mit 5 Jungs und die Wohnung sieht so aus, wie man sich eine Wohnung ohne die Fürsorge einer weiblichen Hand halt vorstellt: Auf Grund der Evolution denken Männer eher nüchtern in Kosten - Nutzen - Kategorien, was sich auch an der spartanischen Einrichtung bzw. nicht vorhandenen Dekoration in den Gemeinschaftsräumen zeigt. Dennoch fühle ich mich in der WG ganz wohl, da ja nicht die Möbel, sondern zunächst einmal die Menschen den Geist eines solchen Sozial-Projekts ausmachen. Unter meinen 4 Roommates sind 2 Amerikaner, ein Däne und ein Palästinenser. Ein Stockwerk über uns befindet sich eine zweite, ethnisch ebenso kunterbunt zusammengesetzte WG mit 6 Personen. Mein Zimmer ist mit dem zum Leben Notwendigen ausgestattet - keine Extras bzw. sonstigen Sperenzchen oder anders ausgedrückt: Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein Schrank - das war's. An technischer Ausstattung verbuche ich eine Klimaanlage aus Großmutters Zeiten, Fernseher bzw. Telefon ist nicht existent. Immerhin haben wir einen Fernseher im Gemeinschaftsraum und ich darf behaupten, dass das der kleinste Fernseher ist, den ich je gesehen habe, von Taschen- bzw. Campingfernsehern einmal abgesehen. Im Vergleich zu diesem Gerät wirkt eine 37cm Bildschirmdiagonale, wie sie in Deutschland das absolut untere Ende der Skala darstellt, fast wie eine Kinoleinwand. Um das gänzliche Fehlen eines Telefons zu kompensieren, lasse ich mir heute Nachmittag einen Internet-Anschluss ins Zimmer legen. Der Spaß ist nicht ganz billig, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Das zweite große Projekt wird die Beschaffung einer neuen Matratze sein, da das aktuelle Modell nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Ich spreche hier weniger von bestimmten Farbakzenten, die der ein oder andere Vormieter stilsicher gesetzt hat, sondern von einer grundsätzlichen Altersschwäche. Wenn die Matratze ein Pferd wäre, müsste man sie sofort erschießen. Das Hauptproblem ist, dass ich nicht sanft auf einen geschmeidigen Lattenrost gebettet bin, sondern nur auf einer massiven Holzbohle liege und die Matratze in der Mitte eine riesige Kuhle aufweist ergo völlig durchgelegen ist. Da ich meine Wirbelsäule noch für den Rest meines Lebens brauche, muss ich heute mal mit dem Stellvertreter des Vermieters sprechen, wie man diese Misere beheben kann.
Heute Abend werde ich mich mit ein paar Leuten in Achrafiye treffen, einem christlich geprägten Stadtteil im Osten Beiruts, der als Party- und Kneipenzentrum gilt und mal ein bisschen in das libanesische Nachtleben eintauchen. Konkrete Pläne für's Wochenende habe ich bis jetzt noch nicht. Wenn das Wetter und die Politik mitspielt, werde ich mir vielleicht Tyros anschauen und hätte damit die Mittelmeerküste komplett abgedeckt.
Die folgenden Bilder sind aus den Untiefen meines mittlerweile recht umfangreichen Archivs hervorgekommen und ich möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten.

Mal wieder der Uhrturm auf dem Nejmeh-Square in Downtown Beirut. Es gibt hier nicht so viele schöne Fotomotive, also werdet ihr dieses Relikt der französichen Mandatsmacht aus den beginnenden 30er Jahren noch öfters zu sehen bekommen

Geschicktes Product-Placement

Rue Gemayzeh. Neben Rue Monot in Achrafiye (die Straße, wo ich heute Abend hingehen werde) die zweite Amüsiermeile der Stadt.

Die riesige Mosche im Hintergrund mit der markanten blauen Kuppel wurde von dem vor 2 Jahren ermordeten ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik Hariri gestiftet. Als reichster Mann des Libanons und Multi-Milliardär konnte er sich die bescheidene Hütte leisten. Momentan wird noch der Innenraum ausgebaut.

Sursock Privatmuseum, eines der extrem wenigen (=4) Museen der Stadt, gleichzeitig eines der schönsten Gebäude Beiruts. Das Haus beherbergt eine Sammlung zeitgenössischer libanesischer Künstler.
Einer der beiden Ausstellungsräume Orthodoxe Kathedrale in Downtown


Eines meiner wichtigstens Nahrungsmittel: Kaffee von Dunkin' Donut im praktischen Halbliterbecher.

"Contains no juice": Gott sei Dank, da hab' ich ja nochmal Glück gehabt. Nicht dieser 100% Fruchtsaft-Schrott wie in Deutschland, sondern 100 % reine libanesische Chemie :

Montag, 29. Januar 2007

Zeit für ein bisschen Kultur

Nachdem sich die Gemüter über das Wochenende etwas abgekühlt haben und offensichtlich zum ersten mal so etwas wie ein Dialog zwischen den verfeindeten Lagern in der Luft lag, stand einem kleinen Ausflug von Seiten der Sicherheit eigentlich nichts im Wege. Außerdem solltet ihr Daheimgebliebenen auch mal wieder ein paar schöne Bilder aus dem Libanon zu sehen bekommen.
Gestern gings für mich also nach Baalbek. Die Stadt ist ca. 85 km (oder 7 Checkpoints des libanesischen Militärs) von Beirut entfernt und liegt landschaftlich sehr reizvoll im Bekaa-Tal, einer durchschnittlich auf 1000m Höhe liegenden Ebene. die an ihrer breitesten Stelle nur ca. 18 km misst und das gesamte Land ca. 180 km in Nord-Süd-Richtung durchzieht. Zum Tal ist zu sagen, dass dort während des Bürgerkriegs hauptsächlich Haschisch angebaut wurde. Mittlerweile gehen die Bauern dort eher dem Anbau etwas gewöhnlicherer Gewächse nach, auch weil das Militär in den 90er Jahren entschieden gegen den Drogenanbau vorgegangen ist. Unter den bekanntesten und beliebtesten Erzeugnissen des Tals findet sich der Wein. Die Bezeichnung Wein aus Bekaa ist schon so etwas wie ein Markenzeichen geworden und die besseren Tröpfchen dieser Gegend (Bekanntestes Weingut ist Ksara) kann durchaus mit europäischen Erzeugnissen mithalten (liest man halt so, ich bin ja nicht der große Weinkenner)
Das moderne Baalbek ist das Verwaltungszentrum des nördlichen Bakaa-Tals. Traurigerweise hat die Stadt in den letzten Jahrzehnten weniger wegen ihres grandiosen archäologischen Erbes Schlagzeilen gemacht, sondern vielmehr durch die traurige Tatsache, dass die Stadt der Hauptsitz der Hizbollah ist - woran auch die allgegenwärtige Fahne der Partei erinnert (siehe Bild unten).
Baalbek, in der Antike einst als Heliopolis (Stadt der Sonne) bekannt, ist mit Sicherheit die beeindruckendste archäologische Stätte des Libanon und eine der bedeutendsten römischen Tempelanlagen überhaupt. Der Jupiter Heliopolitanus geweihte Tempel stellt mit seinen über 20 m hohen Säulen und seinen Dimensionen (ca. 35 auf 69 m) alle anderen römischen Tempel größentechnisch in den Schatten. Selbst in Rom gibt es nichts vergleichbares. Die Kolonie Baalbek wurde von Julius Caesar 47 v. Chr gegründet, unter Augustus
begann der Bau des Jupitertempels, der nie ganz vollendet wurde. Das gesamte Heiligtum wurde im ausgehenden 2. beginnenden 3. Jhdt. massiv ausgebaut und umfasst neben dem Haupttempel (= Jupitertempel) zwei große Innenhöfe (darunter den einzigen sechseckigen Hof der römischen Architekturgeschichte) und zwei Tempel, von denen der auf einer Terasse unterhalb des Jupitertempels stehende Bacchus-Tempel in einem sagenhaft guten Erhaltungszustand ist. Zudem ist er einer der am prunkvollsten ausgestatteten römischen Tempel überhaupt. Leider können die Fotos nicht einmal einen schwachen Abglanz von der Schönheit und Feinheit der Bauornamentik geben, mir persönlich ist jedenfalls nichts vergleichbares aus römischer Zeit aus eigener Anschauung bekannt. Als ob das nicht bereits genügend Superlative wären, finden sich im Podest des Jupitertempels zudem die größten jemals verbauten Monolithen. Es handelt sich hierbei um 3 Steinblöcke mit einer Länge von ca. 20 m. Dieser Größenwahn (man kann es nicht anders ausdrücken) war wohl auch der Grund dafür, dass die Anlage nie ganz fertiggestellt wurde. Dass die römischen Baumeister sich teils wohl übernommen hatten, sieht man auch an einem aus antiker Zeit stammenden Steinbruch, aus dem das Material für das Heiligtum stammte. Jetzt kommt der letzte Superlativ des heutigen Tages: Hier befindet sich DER GRÖßTE Monolith aller Zeiten (die beim Jupitertempel waren die größten verbauten, ihr erinnert euch?). Das Ding wiegt weit über 1000 Tonnen und ist ca. 23 m lang. Der Koloss wurde bereits komplett vom Felsen abgetrennt, auch wenn das auf dem Photo anders aussieht, weil er im Laufe von fast 2 Jahrtausenden natürlich ein bisschen mit Erde bedeckt wurde. Jedenfalls liegt der Stein immer noch an der Stelle, wo er einst dem Felsen abgerungen wurde. Archäologen vermuten, dass er für das Fundament des Jupitertempels bestimmt war, wieso er nie abtransportiert wurde bleibt ein Rätsel, vermutlich war er einfach zu schwer. Es gibt noch eine interessante Anekdote zu dem Trum: Im deutschen Sprachraum ist der Gigant unter der Bezeichnung "Stein des Südens" bekannt, was eine direkte Übersetzung des originalen arabischen Namens ist: Hajar (Stein) al-Qubla (des Südens). Heute nennen die Araber den Stein auf Grund einer falschen Textüberlieferung (Man sieht, was Rechtschreibfehler so alles anrichten können) Hajar al-Hubla, Stein der schwangeren Frau (Hubla heißt schwanger). Deshalb hat sich im Laufe der Jahrhunderte der Aberglaube eingebürgert, dass Frauen durch Berühren des Felsens ihre Fruchtbarkeit erhöhen können und dem Kindersegen nichts mehr im Wege steht - schöne Geschichte, oder?
so, den ein oder anderen Satz schreib ich noch in die Bildlegenden, aber ich muss an dieser Stelle aufhören, da ich noch stundenlang über dieses grandiose Heiligtum schreiben könnte. Falls jemand Fragen zu römischer Architektur oder der Geschichte des Heiligtums hat - immer her damit.

Fahrt nach Baalbek. Im Hintergrund Antilibanongebirge, dahinter liegt Syrien.
Blick in die Bekaaebene
Das Photo war mir gern 1000 Pfund wert, typisch Touri halt.
Plan des HeiligtumsJupitertempel vom großen Hof aus.
Das gleiche nochmal aus einer anderen Perspektive.

Die heute noch aufrecht stehenden Säulen des Jupitertempels. Zum Größenvergleich habe ich in dem Bild einen Praktikanten versteckt, also genau hinschauen (und Bild evtl. vergrößern, denn sonst wird's schwierig).
Ohne Praktikant
Blick vom Jupitertempel aus in den großen Vorhof (ach Gott, was könnte ich dazu alles erzählen)

Exedra im Vorhof
Jupitertempel mit Libanongebirge (der Antilibanon ist auf der anderen Seite)



Teil der Sima (Regenrinnne) des Jupitertempels. Man muss sich klar machen, dass dieses Stück in einer Höhe von knapp 20 Metern hing und man vom Boden aus die sagenhafte Detailfülle überhaupt nicht sehen konnte. Ach ja...und der Praktikant, hätt ich fast vergessen.Voila. Detail der Sima. Der Löwenkopf diente als Wasserspeier. Unglaublich kunstfertig.

Blick vom Podest des Jupitertempels auf den benachbarten Bacchustempel. Die Erhaltung ist einfach phänomenal. Das Gebirge im Hintergrund ist diesmal der Antilibanon.



Im Mittelalter (13. Jhdt.) wurde die gesamte Anlage von den Moslems zur Festung ausgebaut, da man einen erneuten Angriff der Kreuzfahrer befürchtete. Hier ist ein Teil der Festung zu sehen.


Römisches Mosaik - man beachte die immer noch strahlenden Farben.


Säulengang des Bacchus-Tempels. Die Säule ist bei einem Erdbeben Mitte des 18. Jhdts. umgestürzt.

Tempelinneres (Cella) des Bacchustempels


Eingang zum Bacchustempel. Die Tür ist 14 (!) m hoch und auf das kunstvollste verziert.Großaufnahme des Eingangsportals





Größer Monolith der Welt - ehrlich! Ganz im hintergrund kann man die 6 Säulen des Jupitertempels sehen.

Damit immer klar ist, wer hier der Herr im Haus ist. Fahne der Hizbollah mit modischer MG. Baalbek ist die konservativste Stadt des Libanons, die ich bis jetzt gesehen habe. Die Frauen laufen, wenn man sie denn sieht, nur verschleiert rum. Grundsätzlich rate ich jeder Frau ab, alleine in diese Gegend zu reisen. Das könnte schnell zu Problemen führen.
Mäh Mäh.